
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Aktive aus Bürgerschaft und Zivilgesellschaft,
im Jahr 2024 verzeichnete die polizeiliche Kriminalstatistik 53.000 weibliche Opfer von Sexualdelikten. Das ist ein Anstieg von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und die Tendenz ist weiterhin steigend. 190 Frauen sind 2024 durch ihren Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder getötet worden, was nichts anderes heißt, als dass jeden zweiten Tag eine Frau aus Deutschland durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners stirbt.
Diese Zahlen sind ein Offenbarungseid dafür, wie es um die Sicherheit der Frauen in unserer Gesellschaft bestellt ist. Und die Lage ist in der Realität noch ernster, da nur ein Teil der sexualisierten Gewalt überhaupt zur Anzeige kommt. Anders, als es manch politisch Verantwortlicher suggeriert, ist es gerade nicht verknüpft mit migrantischer Gewalt. Und gefährlicher als der Bahnhof bei Nacht oder der Weg nach Hause ist vielmehr das Zuhause selbst und die Personen, die sich dort befinden.
Ich möchte in diesem Zusammenhang meinen Dank aussprechen an das Team des Frauennotrufes Speyer e. V. Ihre unverzichtbare Arbeit sorgt dafür, dass Prävention stattfindet, die betroffenen Frauen nicht alleine stehen und die Problematik in der Öffentlichkeit präsent ist. Dafür gilt Ihnen unser Dank!
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Aktive, essenziell ist es nicht nur, Frauen unmittelbar nach der Erfahrung sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Um an die Wurzel des Problems zu kommen, müssen auch Männer ihre Stimme erheben, sich solidarisch zeigen und allgemein in die Verantwortung genommen werden. Das fängt schon beim kleinen sexistischen Kommentar am Stammtisch an, dem widersprochen werden muss.
Mir ist es wichtig zu betonen, dass sexualisierte Gewalt nicht die Schuld der Opfer, bzw. der Überlebenden, ist, und auch der Staat nicht allein in der Verantwortung stehen kann, um das Problem zu lösen. Vielmehr geht es darum, verstaubte Rollenbilder zu hinterfragen und darum, dass gerade Männer einen kritischen Diskurs dazu führen müssen. Ich möchte an dieser Stelle Roland Hertel, den langjährigen Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit, zitieren: „Gewalt in Partnerschaften ist – neben Selbstwertproblemen von Männern – auch immer eine Frage von Macht und Kontrolle. In modernen Gesellschaften mit zunehmender Emanzipation von Frauen versuchen Männer, ihren Status über Gewalt zu kompensieren.“
Die Emanzipation von Frauen ist eine große Errungenschaft und es ist essenziell, dass Frauen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft mehr Repräsentanz in Führungsverantwortung finden. Gleichzeitig verlangt die moderne Gesellschaft, dass Männer mehr Care-Arbeit leisten und Arbeitsverteilung gleichberechtigter erfolgt. Nur wenn wir aus den alten konservativen Rollenbildern ausbrechen können, schaffen wir es, Hierarchien und Machtverhältnisse aufzulösen, die den Nährboden von sexualisierter Gewalt darstellen.
Zum Schluss möchte ich mit Blick auf die nächste Generation sagen: es kann nicht sein, dass wir Erwachsenen es der AfD, antifeministischen Influencern und blanken Frauenhassern überlassen, toxische Rollenbilder als Vorbild für junge Männer zu etablieren. Es muss auch ein Auftrag an uns alle sein, moderne und progressive Rollenbilder vorzuleben und damit ein Beispiel zu geben.
Ich möchte insofern schließen: sexualisiserte Gewalt geht uns alle an. Es ist eine Frage von gesellschaftlicher Verantwortung und es ist insbesondere die Verantwortung von uns Männern, weil ein patriarchales System, das über Jahrhunderte errichtet wurde, auch durch Männer verändert werden muss.
Herzlichen Dank