Auch „Unkraut“ ist Lebensraum – Entfernung von Pflanzenbewuchs im Gehwegbereich muss neu gedacht werden

In der Speyerer Straßenreinigungssatzung heißt es unter „Säuberungspflicht“, Absatz 1:

„Die Reinigungspflichtigen haben die vor ihren Grundstücken liegenden Straßenteile von allen verunreinigenden Stoffen (dazu gehören auch Laub, Unkraut und Flüssigkeiten) zu säubern. Die Säuberung ist so vorzunehmen, dass die Verkehrsteilnehmer und Anwohner nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar belästigt werden.“

Wildkraut auf dem Bürgersteig (Bild: Istock)

Zahlreiche Speyerer BürgerInnen finden zurzeit ein Schreiben der Stadtverwaltung in ihren Briefkästen, in dem die Entfernung von Pflanzen gefordert wird, die über die Grundstücksgrenze hinaus in den öffentlichen Raum hineinwachsen oder ragen oder sich Nischen zwischen Pflastersteinen suchen.

„Unkraut“ – besser gesagt „Wildkräuter“, können aber ein wertvolles Biotop sein und eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem spielen. Sie sind für die heimische Tierwelt oft überlebenswichtig:

  • Sie dienen als wichtige Nahrungsquelle: Viele heimische Insekten sind spezialisiert. Die Brennnessel ist beispielsweise die wichtigste Futterpflanze für die Raupen bekannter Schmetterlinge wie dem Tagpfauenauge oder dem Admiral. Disteln und Löwenzahn bieten reichlich Nektar und Pollen für Bienen und Hummeln.
  • Sie bieten Lebensraum und Schutz: Dichte Wildkrautbestände bieten Vögeln, Igeln, Erdkröten und nützlichen Insekten wie Marienkäfern oder Laufkäfern einen sicheren Rückzugsort und Brutplatz.
  • Sie dienen der Bodenverbesserung und dem Bodenschutz: Tiefwurzler wie der Löwenzahn lockern verdichtete Böden auf und holen Nährstoffe aus tiefen Schichten an die Oberfläche. Eine geschlossene Wildkrautdecke schützt den Boden zudem vor Austrocknung und Erosion durch Wind und Regen.

Wir stellen die Verkehrssicherung nicht infrage. BürgerInnen müssen sich sicher bewegen können. Aber vor dem oben genannten Hintergrund erscheint es sinnvoll, die pauschale Entfernung von Pflanzenbewuchs zu überdenken. Nicht jede spontan wachsende Pflanze stellt eine Beeinträchtigung dar. Vielmehr können solche Pflanzen zur Artenvielfalt beitragen und kleine grüne Lebensräume im Stadtgebiet schaffen. Gerade in dicht bebauten Straßen sollten deshalb auch solche kleinen grünen Strukturen erhalten und gefördert werden, sofern sie die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigen.

Die Stadtverwaltung startet auf Antrag von uns Grünen die Initiative „Abpflastern“. Abpflastern trägt zum Hitzeschutz bei: Regenwasser versickert im Boden und fließt nicht in die Kanalisation, der Boden heizt sich weniger auf, Pflanzen und Tiere finden Wasser. Wir Grüne fordern die Stadtverwaltung dazu auf, ihre eigenen Ziele zum Klimaschutz zu berücksichtigen und damit die Entfernung von Pflanzenbewuchs vor Grundstücken nochmals zu überprüfen.


Für alle, die eine Aufforderung zur Straßenreinigung bekommen haben und sich an unserer Initiative beteiligen wollen, stellen wir einen Musterbrief als PDF zum Download zur Verfügung, der an die Stadtverwaltung versendet werden kann.

Links zum Thema:

Zurück zur Startseite